These Kingdom is to small for you

"Alexander" von Oliver Stone

Jeder von uns hat sie, die ganz persönlichen – von den Feuilletons und Kritikern verschmähten – Lieblingsfilme, die man sich immer wieder ansieht, obwohl, oder gerade weil sie so kitschig, inhaltslos oder trashig sind, wie sie sind.


Große Oper in Ultrazeitlupe
In die erste, weniger in die zweite und sicherlich nicht in die dritte Kategorie gehört für mich „Alexander“ von Oliver Stone. Heldenmythos, Meuchelmord, Eifersucht, unerfüllte Liebe, Größenwahn und Verrat: Das ist große Oper! Und als solche hat Stone seinen Film inszeniert; mit bildgewaltigem Pathos und vielleicht einer Spur zuviel Theatralik, aber genau das macht für mich den visuellen als auch narrativen Charme dieses Monumentalwerkes aus.

Einer der Höhepunkte des Films ist die Schlacht bei Gaugamela, deren filmische Rekonstruktion mit Sicherheit auf historischen Fakten beruht. Doch wenn Alexander – zum Ende des Films – mit seinem Schlachtross in Ultrazeitlupe auf einen indischen Kriegselefanten zustürmt, dann ist sicherlich der Gipfel des kitschigen Heldenklischees erreicht. Aber die Filmwelt ist auch um eine denkwürdige Projektionsphantasie reicher.

Schlachtengemälde und Pathos
Szenen, die an pompöse Gemälde erinnern. Oliver Stone versucht übergroße Bilder für einen übergroßen Mythos zu finden und ich bin der Meinung, dass man ihm vielleicht mangelnde Objektivität hinsichtlich seines Hauptcharakters vorwerfen kann, nicht aber mangelnde Leidenschaft. Und leidenschaftlich agieren auch die Schauspieler.

Colin Farrell spielt den innerlich zerrissenen, von Macht besessenen Alexander mit großer Intensität; Angelina Jolie bringt das nötige Charisma und Energiepotential für die Rolle der ehrgeizigen Übermutter mit und Jared Leto...ja, Jared Leto, an ihm haben sich die Kritikergemüter entzündet.

Wahrscheinlich haftet ihm immer noch zu sehr das „Sonnyboy-Image“ an, um als ernsthafter Mime wahrgenommen zu werde, was schade ist, denn er hat sein schauspielerisches Können bereits in vielen beachteten Produktionen unter Beweis gestellt. Und als Gefährte/Geliebter Alexanders ist er alles andere, als eine optische Qual.

"Romeo und Julia" am Hindukusch
Wo wir auch schon bei den viel zitierten und oft belächelten „schmachtenden Blicke“ zwischen dem Eroberer und seinem Gefährten Hephaistion wären. Ich für meinen Teil, fand diese Szenen herrlich romantisch. Mit Sicherheit weit ab jeder Realität, aber romantisch, gerade weil Oliver Stone sich hier auf Andeutungen beschränkt und nicht mehr zeigt. Ich sage nur: Kopfkino. Allein die Balkonszene war ein wundervolles Zitat an Shakespear’s „Romeo & Julia“ und ich habe sie sehr genossen.

Das blonde Haar in der Suppe
Einen winzigen Kritikpunkt teile ich jedoch: Warum hat man Colin Farrell blondiert? Nicht nur, dass es aufgesetzt und manieriert wirkt, Colin Farrell’s natürliche Haarfarbe entspricht eigentlich eher der historischen Darstellung Alexanders auf dem berühmten Mosaik aus Pompeji, aber vielleicht existieren auch Aufzeichnungen, die etwas anderes belegen. Wie dem auch sei, man gewöhnt sich im Laufe des Films daran und letztendlich ist diese Detail auch – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht kriegsentscheidend.

Damit schließe ich meinen „Ich-bin-Fan-von-Alexander-Post“ und sage noch einmal, aller Kritik zum Trotz: I'am a fan!

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